Grundeln – Plage oder Potenzial

In diesem ersten Teil möchten wir euch kurz die Grundel und ihren Weg zu einer Plage, aber auch als neue Möglichkeit, für uns Angler skizzieren.

Die Grundel in Baden-Württemberg ist bzw. war wie der Kaulbarsch in unseren Heimatgewässern im Nordosten der Republik: Man will sie eigentlich nie fangen und doch hängen sie fast immer am Haken. Das wir uns fast schmerzlich gerne an die Kaulbarsche zurückerinnern, ist fast untertrieben gesprochen, wenn wir so manchen Angeltrip der letzten drei Jahre Revue passieren lassen. Wie unrecht wir doch dem Kaulbarsch mit obiger Aussage getan haben.

Die Grundel ist für uns als Angler am Rhein besonders interessant, da ab 2008 die ersten Ankömmlinge beobachtet und gezählt wurden. Dieser Umstand machte sich vor allem als Beifang beim Nachtangeln auf Aal oder beim Ansitzangeln auf Barsch vom Ufer aus bemerkbar. In den Jahren zuvor kannten wir solche Fänge gar nicht oder sie waren einfach zu selten anzutreffen.

Die Grundel, genauer gesagt die Schwarzmund-Grundel, ist ein stetiger Begleiter beim Angeln geworden, die selbst die lästigen Wollhandkrabben aus der Elbe in den Schatten stellt. Andere Fische, wie Aal, Zander, Barsch oder Wels sind hier am Rhein eher als Beifänge zu betrachten. Gerade kleinere Welse sind in den letzten zwei Jahren beim Aalangeln fast komplett weggeblieben, obwohl wir sie in den Sommern zuvor immer wieder gefangen haben.

Nicht zuletzt las man sogar von einigen Vereinen im Netz, dass diese zum heiteren Grundel-Angeln aufgerufen haben. Dabei wurden zum Teil über 100 Fische binnen weniger Stunden von einer handvoll Angler gefangen. Fast unglaublich, aber wahr! Die Grundel ist am Rhein mittlerweile eine Plage und nicht mehr aus dem Angelalltag wegzudenken. Egal ob man mit kleinen Kopytos (teils bis zu 6 cm Länge) oder dem üblichen Tauwurm fischt, die Schwarzmund-Grundel hängt in über 80 % der Fälle am Haken. Das uns und damit auch anderen Anglern sprichwörtlich der Knoten bzw. Kragen platzt, verwundert wenig.

Doch wo andere eine missliche Lage sehen, kann man Chancen für die Zukunft erkennen. Eines steht auf jeden Fall fest: Die heimischen Raubfische haben längst die Flut der Grundeln bemerkt. Dazu aber mehr im zweiten Teil der „Grundel-Saga“ ;)!

Schwarzmund-Grundel gefangen auf Kopyto

Was zeichnet die Grundel aus?

Bei den Grundeln unterscheidet man in etwa 130 Gattungen 1100 Arten, welche zu den Barschverwandten zählen und folgende allgemeine Merkmale beim Körperbau aufweisen.

  • langgestreckter, zylindrischer Körper
  • dicker, bulliger Kopf mit verhältnismäßig großem Maul und obenstehenden Augen – zwei deutlich getrennte Rückenflossen, teilweise mit Stacheln bewehrt
  • kein Seitenlinieorgan

 

  • die Bauchflossen sind zu einer trichterförmiger Saugscheibe zusammengewachsen, um sich an Felsen/ Steinen festzuhalten
  • der Großteil der Arten besitzt keine Schwimmblase, weshalb sie sich zumeist in Grundnähe aufhalten
  • die Farbe reicht von schlicht, sandfarben bis zu einer dunkleren, fleckige Musterung; wobei kleine Grundelarten z. T. fast durchsichtig erscheinen
  • in der Regel um 10 cm lang

 Lebensraum und Verhalten der Grundel

  • in allen Meeren von Polarkreis bis Tropen vertreten; auch in Brack- und Süßwasser vorgedrungen
  • in Deutschland findet man folgende Arten: Schwarzmund-, Sand-, Strand-, Flecken-, Kristall- und Glasgrundel (nur an Nordseeküste)- Zweifleckengrundel nur an Ostsee zu finden
  • in Europa sind etwa 19 Arten vertreten, hauptsächlich findet man sie am Kaukasus und Schwarzen Meer

 

  • oft Beute von größeren Fischen oder Wasservögeln, weshalb sie sich tagsüber in Höhlengängen verstecken
  • Ernährung von Wirbellosen (Krebstiere, Insektenlarven, Würmern)
  • die Eiablage der Weibchen an Steinen/ Felsen und anschließende Befruchtung, sowie Brutpflege erfolgt durch das Männchen
  • weitere Erforschung noch notwendig, da immer wieder neue Arten entdeckt werden

Wie Schwarzmund-Grundeln zur Plage wurden

Grundel gefangen auf Tauwurm

Diese Art, die auch unter dem lateinischen Namen Neogobius melanostomus bekannt ist, hat sich sehr wahrscheinlich vom Schwarzen Meer aus über das Ballastwasser der Frachtschiffe entlang des Main-Donau-Kanals ausgebreitet. Der  Main ist der längste rechte Nebenfluss des Rheins und somit verwundert es nicht, dass sich diese Fische dort sukzessive angesiedelt haben.

Mittlerweile ist dieser Neubesiedler (Neozoon) bereits bis an die Nordseeküste vorgedrungen. Neben dem Rhein sind unter Anderem Mosel, Neckar, Lahn, Trave, Eider, Oder und der Nord-Ostseekanal zu ihrem Lebensraum geworden.

Nicht ohne Grund wird dieser Fisch in Deutschland daher als etablierte und expansive Art bezeichnet, die an den oben genannten Flüssen durch die vorhandenen Steinpackungen einen idealen Lebensraum vorfindet. In Studien aus Nordamerika stellte man fest, dass die Grundeln direkt mit den dort vorkommenden Koppen bzw. Groppen um Nahrung, Laichplätze und Einstände konkurrierte. Dieser Umstand führte dazu, dass sich die Koppen weniger gut vermehrten und die Population rückläufig ist.

Eine Gefährdung auch für heimische Fischarten

Im Donaugebiet in Deutschland gibt es eine direkte Konkurrenz mit der Marmorierten Grundel und dem Steingreßling (Gobio uranoscopus), dem Kesslergründling (Gobio kessleri) und dem Streber (Zingel streber). Diese Arten sind bereits durch andere Ursachen schon sehr selten und akut vom Aussterben bedroht. Mittelfristig könnte die Schwarzmund-Grundel auch andere einheimische Fischarten bedrohen, die sich ebenfalls in Ihrem Lebensraum fortpflanzen und deren Jungbrut im Larvenstadium von den Grundeln gefressen wird.

Desweiteren vermutet man, dass Grundeln durch die bevorzugte Nahrung in Form von Weichtieren bzw. Wirbellosen zu einer Veränderung der Wasserqualität beitragen könnten, was allerdings noch intensiver Erforschung bedarf.

Fazit: Wir als Angler tragen also die Verantwortung, dass wir die gefangenen Grundeln nicht einfach wieder zurücksetzen, sondern fachgerecht töten und vor Ort vergraben oder für den Verzehr mitnehmen.

Was charakterisiert die Schwarzmund-Grundel?

  • besitzt eine typische Grundelgestalt, wobei ihre Art, die mit dem gedrungensten Körperbau ist
  • vielfältige, teils mit dunkleren Flecken versehene Körperzeichnung und unterbrochene Pigmentlinie entlang der Körperseite
  • die vordere Rückenflosse zeigt einen auffälligen, schwarzen Augenfleck
  • wird bis zu 22 cm lang
  • im Sommer hält sie sich in flachen, ufernahen Bereichen auf; bevorzugt ebenso die ruhigen Abschnitte der Steinpackungen im Buhnenfeld von Rhein und Rheinhafen

Interessant ist auch das Fortpflanzungsverhalten der Schwarzmund-Grundeln. Sie laichen in der Zeit von April bis September. Während der Laichzeit sind die Männchen nahezu vollständig schwarz gefärbt. Die geschlechtsreifen Weibchen (mit 2 – 3 Jahren Lebensalter) legen bis zu 1.000 ovale Eier, die es an Steinen oder Felsen befestigt, die beispielsweise am Rhein durchweg als Buhnenaufbau oder Uferbefestigung vorzufinden sind.

Die Gelege werden anschließend vom Männchen befruchtet und bewacht. Nach circa zwei Wochen schlüpfen die Jungen, die dann bereits voll entwickelt sind. Nach der ersten Brutsaison sterben die Männchen, die mit 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif geworden sind, wobei die Rogner wiederholt ablaichen und 5-6 Gelege im Abstand von 18-20 Tagen produzieren (Quelle: http://www.neobiota.de/13811.html).

Die Schwarzmund-Grundel besitzt außerdem einen Stachelstrahl, der sich an der Afterflosse befindet. Im Gegensatz zu manchen ihrer Verwandten im Meer ist dieser nicht giftig und vergleichbar mit denen barschartiger Vertreter, wie Zander oder Flussbarsch.

Nach all den Fakten fragt man sich sicherlich zurecht: Wo soll das Potenzial zu sehen sein? Aus der Sicht der Angler ist die Grundel ein neuer, interessanter Köder. Die heimischen Raubfische, wie Hecht, Barsch, Zander oder Aal haben sich auf den neuen Köderfisch eingestellt und es gelang Anglern bereits damit erfolgreich zu angeln. Angelläden haben in dieser Hinsicht auch reagiert und bieten bereits Grundel-Imitationen als Gummifisch an.

Wie ihr Grundeln am besten fangt und sie anschließend als Köderfisch anbietet, dass zeigen wir euch im zweiten Teil: Grundeln als Köder !

Gierige Grundel mit typischer Gestalt und gut sichtbarem Stachelstrahl an der Afterflosse

1 Comment on Grundeln – Plage oder Potenzial

Avatar for admin
Lui Summer said : Report Dec 22, 2015 at 11:47 PM

Bei uns am Bodensee habe ich zum Glück noch keine Grundel gefunden!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked